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Freud und die Sterne

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Trieb-, Objektbeziehungs-, Ich- und Subjektpsychologie als die vier Grundformen psychoanalytischer Theorie.

Im Sexuellen sind alle Kräfte- und Beziehungsschichten erfahrbar und doch lassen sie sich gerade dort am schlechtesten beschreiben oder gar theoretisieren. Der Libido-Begriff bei Freud bezeichnet etwas im Wesentlichen Geschlechtliches, nicht etwas,  orion_1920_widescreennetmit dem die Geschlechtsbe-ziehung, die Relation unter den beiden Geschlechtern charak-terisiert werden kann, sondern das rein Libidinöse. Dieses Libidinös-Geschlechtliche ist bei Freud vorwiegend dem Männlichen zugeeignet, da das männlich Sexuelle einen - wenn man so will - mehr apparathaften Aspekt ausweist und von daher leichter zu studieren, ja gar zu messen war. Das weiblich Sexuelle blieb bei Freud stets rätselhaft und wurde von ihm auch als „dunkler Kontinent" bezeichnet. Nun ist die Frage ob man beim Weiblichen überhaupt im völlig gleichen Sinne vom „Sexuellen" reden kann. Die Psychoanalytikerin R. Golan hat den Unterschied zwischen männlich und weiblicher Libido gut herausgearbeitet. Sich an Lacan anschließend spricht sie von der „juissance phallic" , dem phallischen Genießen, das mit Lust einhergeht und vom weiblichen Genießen („juissance feminine"), das eher häufig auch schmerzliche Erfahrungen miteinschließt.

 

Im Sexuellen treiben die Kräfte zusammen und auseinander, ja, es wird tatsächlich oft so erlebt wie wir es sonst von den Astrophysikern her hören: die Sterne explodieren, stieben auseinander, toben umher und fallen schließlich wieder in sich zusammen. Ständig ereignet sich irgendwo ein Urknall und irgendwo anders der „big crash", der Zusammensturz. Astrophysikalisch ist dies sicher noch nicht so bewiesen, aber gerade von dem her, was wir in der Psychoanalyse an Bewegungen der seelischen Kräfte, an Beschreibungen über das Sexuelle und die gedanklichen Prozesse her wissen, muss es so sein. Das Universum ist ein Spiegel unserer Seele und umgekehrt. Die Eruptionen von Myriaden Sternenstaub vermitteln etwas vom Orgasmischen dieses männlichen Genießens, die majestätischen und Jahrmilliarden dauernden Bahnen, die die Galaxien durch das Weltall ziehen, lassen wiederum etwas vom Unermesslichen großer seelischer Zustände erahnen. Liegt hier das weibliche, das auch den Schmerz einschließt nicht endgültig sein zu können? Denn auch hier im Kosmos ließe sich manches als männlich oder weiblich benennen, aber was hätte dies wirklich für einen Sinn? Welche Folge trüge es mit sich?

Freuds Ansatz war schon richtig, nämlich zuerst vom Messbaren auszugehen und sich seine Patienten dann vermittels der „freien Assoziation"  im scheinbar Unermesslichen aus drücken zu lassen. Während die Patienten sozusagen ins Weltall ihrer Erinnerungen und Phantasien abdrifteten, war Freud der Astrophysiker, der diese seelischen Explosionen und Sternbildungen beobachtete und zu einer „Sexualtheorie des Psychischen" zusammensetzte. Aber nicht nur das weiblich Sexuelle, auch die Tiefen des Universums sind nicht ausmessbar. Auch hier gibt es tatsächlich so etwas wie dunkle Energie und dunkle Materie. Selbst wenn man einst wissen wird, dass es sich hierbei um Sonderformen der Gravitation oder um Materie mit hohem Atomgewicht oder sonst etwas handelt, wird man nicht wissen, wie man damit umgehen soll. Dass unsere dreidimensionale Welt nur ein Spezialfall all dieser Kräfte und Bewegungen ist, wissen wir auch heute schon. Wir haben das Gefühl, dass diese drei Dimensionen konstant sind, aber in Wirklichkeit sind sie eingebettet in eine Quantengravitation, die inkonstanter nicht sein könnte. Die Antwort auf die Frage, wie dieses Quantengravitations-Universum mit uns zusammenhängt, wäre daher entscheidend.

Freud postulierte zu recht eine „polymorph-perverse infantile Sexualität", die er überall bei seinen neurotischen Patienten aufspürte. Aber wie war es mit den komplexer Gestörten oder den psychosomatisch Kranken? Oder gar mit den Zu-Normalen? Wie funktionierte sein Trieb-Struktur-Konzept bei den Primärvölkern? Hier passte alles nicht mehr so ganz zusammen. Der Ödipuskomplex (Entwicklung im 3 - 5. Lebensjahr in Richtung einer Rivalität zum gleichgeschlechtlichen, erotisches Begehren dagegen zum gegengeschlechtlichen Elternteil), in dem also das Männlich / Weibliche theoretisiert ist, steht bei diesen gerade mit Fragezeichen genannten Gruppen nicht so im Vordergrund. Hier geht es um sogenannte präödipale Komplexe (also solche, die sich schon vorher (im ganz frühen Lebensalter)  ausgebildet haben. Hier ist nichts mehr so gut messbar. Dies ist daher mit ein Grund, warum die psychoanalytischen Konzepte wie die Galaxien mindestens in die vier Richtungen auseinandergetriftet sind, die ich als Überschrift aus einer Arbeit (Giesers, P., Pohlmann, W., PSYCHE Nr. 7, 2010) oben zitiert habe. Ich habe sie nur zur Abschreckung erwähnt, man sollte wissen, dass es so etwas gibt und dass man damit arbeiten kann. Aber man muss es nicht verinnerlichen.

Bei klarer Luft, in der Wüste etwa, kann man sich dem ekstatischen Flimmern des Sternenhimmels nicht entziehen. Man wird weggetragen in unendliche Fernen, löst sich in die einzelnen galaktischen Windungen auf und bleibt doch noch ein Ganzes, eine einheitliche wahrnehmende Seele, ein kathartischer Mensch. G. Criscom, eine amerikanische Esoterikmanagerin beschrieb einmal ein derartiges Erlebnis als „kosmischen Orgasmus", ja, sie meinte sogar daraus schließen zu können, dass Gott selbst Orgasmus sei. Genau hier beging sie den Fehler, die „juissance phallic" mit der „juissance feminine" durcheinander zu bringen. Denn im Grunde genommen wäre dies ein Ansatz gewesen, nicht nur das Problem männlich / weiblich, sondern auch das der Quantengravitation / dreidimensionale Welt zu lösen.

Das andere Genießen

Wie Lacan es ausdrückt, ist die Sache ganz einfach: die Frauen achten ihr weibliches Genießen, diese „juissance feminine"  zu gering, sie schätzen sie zu wenig wertvoll ein und halten sich so oft auch an die „juissance phallic", einen Lustmechanismus, den beide Geschlechter nach Freud in der sogenannten phallischen Phase in dem bereits erwähnten Alter von etwa drei bis fünf Jahren durchlaufen. Natürlich durchläuft nicht jedes Individuum dies in gleicher Weise. Natürlich fällt es auch schwer sich ein Gefühl, eine Katharsis, ein Genießen vorzustellen, bei dem man auch eine Aufgabe, eine Beschwernis, manchmal gar Schmerz auf sich nehmen muss. So etwas ist überhaupt nicht richtig zu verstehen. Man muss sich den Sternen und der Astrophysik zuwenden, um das zu begreifen.

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Abb. 2 Lacans Schema zum Verhältnis von Mann und Frau. Der Mann (linke Bildseite) ist in seinem Subjektsein gespalten (S gebarrt), weil er auf das phallische Begehrensobjekt bei der Frau schielt. Die Frau als Die spaltet sich (Die-gebarrt), weil sie als  Subjekt (S) das Andere, ihre eigene Andersheit (A gebarrt) nicht zulässt und gleichzeitig auf  das Symbol der Männlichkeit (Φ) schielt (Oben mathematische Formulierung  mit  den All- und Existenzquantoren).

 

Der Begriff Quantengravitation erzeugt nämlich ein großes Problem hinsichtlich zweier so elementarer, autonomer  Gegebenheiten wie der Quantenmechanik auf der einen und der Gravitation, der Schwerkraft, auf der anderen Seite. Man spricht von einem „gequanteltem („schaumigen") Gravitationsfeld" ganz am Anfang des Universums Und in einem Bruchteil von Millisekunden hat sich dieser „Schaum" dann um den Faktor 1050 aufgebläht und ist wieder zusammengesunken (auch Inflationstheorie des Universums genannt). Aber was hat sich hier eigentlich „aufgebläht"? Das „gequantelte Gravitationsfeld" ist ja keine Materie, aber auch keine Energie, nichts dergleichen. Und doch ist die Theorie sehr bestechend, sie löst viele Probleme des Ur-Universums. Da sich „etwas", besser: ein „Etwas-Nichts", in dieser unvorstellbar kurzen Zeit von 10 -34 bis 10 -32 sec „aufgebläht" hat, kann ich mir nur den Ausdruck „Strahlt" dafür denken: Es handelt sich zwar nicht um Strahlen, aber für ein so blitzartiges Sich-Ausdehnen ist der Begriff Inflation, Aufblähung, einfach zu behäbig, zu nostalgisch. Es war ein „Strahlt", ein „Scheint", ein „Grellen" das schneller war als das Licht. Ich verstehe dieses Es als eine noch undefinierte Substanz im Sinne von etwas grundsätzlich Substanziellem.

Diesem „Strahlt" habe ich in früheren Veröffentlichungen ein „Spricht" gegenübergestellt, da ja schließlich von allem und jedem in den Wissenschaften (aber auch in Kunst, Religion etc.) ständig gesprochen wird. Ein Es „Spricht" gilt aber besonders für das Freudsche Unbewusste, das nicht eine ontische Angelegenheit ist, ein fassbares Sein, sondern eben nur durch seine Symptome, Versprecher, Traumbedeutungen etc. „Spricht". Es geht hier um eine linguistische, symbolische Ordnung, während das „Strahlt" eher einer Ordnung des einfachen Seins, Daseins, Existierens zugehört. So befremdlich im ersten Moment dieses Sprechen in der dritten Person Singular auch erscheint, es löst viele Probleme der Wissenschaften, auch der Astronomie und  der Astrologie. Ist doch der Logos ein „Spricht", und der Astrologos eben die Unterstellung, dass es die Sterne sind, die sprechen. Wir Psychoanalytiker sagen halt, dass es das Unbewusste ist, das „Spricht".

Der Vorteil meiner Bezeichnungen liegt auf der Hand. Ich muss mich jetzt nicht mehr der Schwäche schämen, in einem Uni - Versum  Halt zu suchen, denn das „Strahlt" und „Spricht" sind jetzt Zwei. Nicht zwei Dinge oder  Begriffe, sondern einfach Zwei, wenn man will zwei Uni. Von mir aus sollen es auch zwei parallele Universen sein, denn der Gedanke der Paralleluniversen ist eine praktische Stütze des Denkens. Da man das eine Universum nicht von sich selbst heraus erklären kann, nimmt man an, es gäbe parallele Welten, die in einer anderen Schicht, auf einer virtuellen Ebene, durch eine Raum-in-Raum-Verschiebung existieren. Man kann dann nämlich ganz leicht all das, was in dem einen, dem unseren Universum passiert aber nicht erklärbar ist durch den Einfluss oder Zusammenhang mit dem zweiten (oder mehreren) parallelen Universen erklären. M. Tegmark, Professor für Physik und Astronomie an der Pennsylvania - Universität sagt, dass grundsätzlich eine „ungebrochene mathe-matische Symmetrie herrscht: Sämtliche mathematischen Strukturen existieren auch physikalisch. Jede mathematische Struktur entspricht einem Paralleluniversum." Damit ist man auf sichern Boden und der theoretische Ansatz ist auch elegant. Aber einer praktikablen Wirklichkeit nützt er nichts. Von der Zwei als solcher auszugehen, halte ich hier für sinnvoller. Denn auch zwei mathematische Strukturen verleiten uns wieder zu glauben, die Mathematik sei hier wirklich die Leitwissenschaft.

 

Die ZWEI

D. h. am besten beginnt man mit der sogenannten Substanzlehre. Was ist wirklich substanziell, wesentlich? Die ZWEI also. Bei Aristoteles mit der  ausgedehnten Substanz, der res extensa, bei Descartes kam dann schließlich die denkende Substanz, die res cogitans dazu. Ich bin ein denkendes Ding, sagte Descartes. Damit wäre die ZWEI also schon erfüllt, zwei mal etwas Substanzielles. Doch schließlich kam noch Freud dazu, und wenn man ihn auch auf die Substanzlehre zentrieren will, dann muss man auch seine Entdeckung der libidinösen, der genießenden Substanz würdigen. Tatsächlich ist auch dies etwas Substanzielles, doch als Drittes gibt es den ZWEIen lediglich ihre wahre Dynamik. Alle drei Substanzen wirken nämlich zusammen und nur in ihrer Dreiheit kann man Psychoanalyse und Astrophysik verstehen. Ich werde deswegen der ZWEI nicht untreu, denn Freud hatte als Ausgangspunkt seiner Wissenschaft von den zwei Grundtrieben (Eros-Lebenstrieb und Todestrieb) gesprochen. Doch den Trieben, dem Begehren, steht das Genießen gegenüber. Nicht immer genießt man es einem Trieb, einem Impuls zu folgen. Wie erwähnt gibt es auch ein Genießen, das mit Leiden verbunden ist. Die genießende Substanz jedoch, sie genau ist es, die das Universum zusammen hält.

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Abb.3

Künstlerische Darstellung von Sternen und Planeten (Wikipedia Commons)

 

 

 

Denn es macht wenig Sinn eine Quantengravitation, eine mathematische Struktur, einen göttlichen Geist oder sonst etwas zu dem zu machen, was uns dann ein einheitliches Verständnis der Welt und des Universums liefert oder liefern soll. Das Substanzielle als genießendes in seiner ZWEI-Form von „juissance phallic" und „feminine" (denen die res extensa und cogitasns entsprechen vielleicht  mögen) lässt uns viel besser Freud und die Sterne zusammen bringen. Es ist ja sicher richtig, dass sich Neutronensterne und mathematische Symmetrien im Universum tummeln, aber schon der Astrophysiker  G. Greenstein meinte bezüglich der Existenz sogenannter „Schwarzer Löcher"  -  was ja schon deren Name auch irgendwie nahelegt - ,  dass „ihre Faszination eine starke sexuelle Komponente besitzt" (Greenstein,G.,  Der gefrorene Stern, DTV Sachbuch (1985) S. 337- 340). Das heißt also, dass die Schwarzen Löcher  etwas mit dem Unbewussten in der Seele der Menschen zu tun haben, das, wie Freud sagt, eben immer irgendwie eine im weitesten Sinne sexuelle Bedeutung hat, und dann wären wir wieder voll bei der Psychoanalyse.

Es geht hier nicht nur um Analogien zwischen dem „dunklen Kontinent" und dem „Schwarzen Loch" des weiblichen Genießens, gar des weiblichen Genitales. Die Psychoanalytiker der ersten und zweiten Generation haben sich sehr um eine Verständnis der „weiblichen Sexualität" bemüht, es ging stets auch um Fragen der erogenen Zonen von Klitoris und Vagina, bis man schließlich etwa seit den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts sich doch mehr für das „Weibliche als solches" interessierte.  Es geht hier wirklich um etwas Substanzielles, das vorerst nichts anderes ist als das Genießen per se, ein zweifellos körperbezogenes Genießen, das dem zwar ebenso „nicht-phallischem Genießen" reiner Intellektualität irgendwie verwandt ist, aber nicht nur im Körper des Großhirns stattfindet, sondern im Körper generell. Die erogenen weiblichen Zonen sind darin eingeschlossen aber nicht so zentral, so physiologisch bedeutsam. Das haben inzwischen viele Autoren auch so gesehen und ähnlich bezeichnet. Aber man hat nichts daraus gemacht, keine weiteren Schlüsse daraus gezogen, keine therapeutischen Möglichkeiten daraus entwickelt.

Nun wäre es natürlich ein Leichtes und auch zugleich etwas banal, voreilig zu denken, diese Abhandlung läuft jetzt doch darauf hinaus wie es G. Criscom beschrieben hat: bei den Frauen ist das Erotische eben nicht so eng zu fassen, man muss in die Weite des Universums hinausgehen um di kosmischen Genüsse als das Eigentliche des Weiblichen zu erfassen. Andere, vor allem feministische Autorinnen haben sich eher dahin gewandt, den Frauen eine Art Autoerotismus zu empfehlen, d. h. den weiblichen Körper als besonders erotisch und liebenswert zu begreifen im wörtlichen Sinne dieses Wortes. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Das Weibliche ist komplexer. Es ist nicht dunkler, autoerotischer oder galaktischer, es ist einfach vielschichtiger und in sich verwobener, enigmatisch durchstrukturierter. Und insofern es das ist, kann man natürlich alles dazu in Beziehung setzen, die Sterne, den Körper, die Natur, die Mathematik etc.

In seinem Aufsatz zu dem Buch A. Unzickers "Vom Urknall zum Durchknall" demonstriert der Rezensent E.Scheunemann (Spectrum der Wissenschaft 8 / 2010, S. 99), dass es hier um eine ernsthafte und wissenschaftlich gut durchdachte Kritik an der modernen theoretischen Physik geht. Dunkle Materie und Energie, Stringtheorie und anderes seien höchst unbewiesene und problematische Konzepte. Außer Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie sei nicht mehr Nennenswertes veröffentlich worden. Die Relative Zuordnung aller Bezugssysteme zu- und gegeneinander ist also tatsächlich das Einzige, was wir in der Hand haben  und klingt genau nach dem komplex Verknoteten der „juissance feminine", das in diesem Zusammenhang schon Goethe so nannte: das Ewig Weibliche zieht uns hinan. Hin und an? Auch hier also enigmatisch.

Von daher gesehen haben die Psychoanalytiker natürlich den bessren Einstieg: da alle reden und schreiben, muss man erst hinter dieses Reden Und Schreiben zurückgehen zur reinen ZWEI, die auch nichts direkt bedeuten kann. Ich habe mit dem „Strahlt" und „Spricht" hier nur ungefähre Bedeutungen ausgedrückt. Es geht halt um eine Erfahrung in dieser Richtung. Das „Spricht" kann auch nur ein Laut sein, ein „Verlautet", ein Klang, wenn auch nicht schon wieder einer, der zu einer fertigen Musik verramscht worden ist. R. Golan, die Psychoanalytikerin, die ich schon erwähnte beschreibt den gleichen Zusammenhang: den dieses „anderen", eben „nicht-phallischen" Genießens mit dem Laut, der - wie Lacan es nennt - „Stimme des Objekts" und das heißt eben wieder einer Stimme, die die Dinge, die res ihrer veritas näher bringen kann.

Diese Stimme direkt hörbar zu machen ist natürlich ein gewagtes Experiment, man kommt hier in die Nähe des „Stimmenshörens" der Kranken. Eben dazu benötigt man dann doch die ZWEI als Stütze, durch die das Dritte hindurch muss. Um jeder vorgefassten Bedeutung schließlich auszukommen, habe ich die ZWEI des „Strahlt" / „Spricht" noch weiter aufgelöst in eine fast nicht mehr und eben doch noch genug sprachliche Formulierung, die der Formel-Worte, die die meisten Leser , meiner Schriften bereits kennen werden, weshalb ich hier auf die entsprechenden Artikel in Buch- oder Webseitenform verweisen kann.

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Abb. 4

Hubble Photographie des Adler - Nebels

 

 

 

 

 

 

Vom „Spricht" der Stimme komme ich nochmals kurz zum „Strahlt" der Inflationstheorie des Universums zurück. Was sich da so aufgebläht hat in den ersten 10-43 Sekunden könnte man entsprechend der Stimme beim „Spricht" auch das Blicken als solches nennen. Ich glaube zwar nicht, dass ein Gott hier geblickt hat. Das mag jeder halten wie er will. Ich denke eher Es hat geblickt. Es, das Unbewusste. Freud sagt es so: „Besetzungsinnervationen werden in raschen periodischen Stößen aus dem Inneren [dem Unbewussten] in das völlig durchlässige System W-Bw [Wahrnehmung-Bewusstsein] geschickt und wieder zurückgezogen. Solange das System in solcher Weise besetzt ist, empfängt es die vom Bewusstsein begleiteten Wahrnehmungen und leitet die Erregung weiter in die unbewussten Erinnerungssysteme. . . Es wäre also so, als ob das Unbewusste mittels des Systems W-Bw der Außenwelt Fühler entgegenstrecken würde, die rasch zurückgezogen werden, nachdem sie deren Erregungen verkostet haben" ( Freud, S., Studienausgabe, Fischer Verlag (1989) Band I, S. 369). Warum sollten die universalen „Fühler" nicht die gleichen sein wie die in unserem Unbewussten? Vielleicht nicht völlig identisch mit dem Astrophysikalischen, aber eben doch grundsätzlich identisch, also von diesem „anderen Genießen" her, vom „Strahlt" her? Warum sollte die inflationäre Ausdehnung und deren sofortiger Zusammenfall nicht eine Eruption, eine Ekstase, ein Außer-Sich-Geraten genannt werden können? Und wenn es heißt „genannt werden" sind wir schon wieder ein bisschen mein „Spricht". Es gibt eben nicht total das Eine ohne das Andere.

Öko- (Astro-)psychoanalyse

Man muss die Psychoanalyse noch in einen universellen ökologischen Bereich ausdehnen, um weitere Bemerkungen machen zu können. Um die Folgen der Inflation des Universums zunehmend besser erklären zu können, hat man ein virtuelle energetisch und massebezogenes Feld eruiert, das sogenannte Higgs-Feld. Ich muss hier jetzt nicht in einer ausschließlich mathematischen und astrophysikalischen Sprache sprechen um wieder einen Vergleich zum Unbewussten herzustellen. Freud sprach ja vom „Pulsieren" des Unbewussten. Ohne diese Bezeichnung bei Freud zu kennen kam F. Lyotard zu gleichen Auffassungen. Lyotard spricht von der „pulsierenden Matrix / Figure", in der er das primäre und mehr imaginär Unbewusste (das Freudsche Unbewusste ist mehr symbolisch verfasst) durch das Pulsieren einer Matrix und damit zusammenhängender Bilder erklärt wird. Diesen Komplex pulsierender Bild-Blicke oder Blick-Bilder nennt er daher Matrix / Figure. Nicht nur solche Blicke oder Bilder, die aus unserer eigenen Erfahrung stammen und evtl. in der Verdrängung oder Spaltung nicht erinnert werden können, sondern auch solche, die im sogenannten „kollektiven Unbewussten" (der Begriff ist heikel), im Gehirn, in den Genen oder eben noch im intrauterin angelegten Unbewussten „pulsieren", sind damit erfasst. Wenn wir nunmehr regressiv, also zu frühen seelischen Zuständen zurückkehrend (z. B.im Traum) in die Matrix / Figure (oder nach meiner Nomenklatur ins reine „Strahlt") geraten, d. h. sie uns etwas bewusst wird, laufen wir Gefahr, verwirrt oder psychotisch zu werden.

Gott sei Dank hält uns hier das „Spricht" im Gleichgewicht. Hier, in diesem kosmologischen oder wie ich es auch nennen möchte „ökopsychoanalytischen" Zusammenhang ist das „Spricht" das Higgs-Feld, denn es ordnet den Energien die Kräfte und den Teilchen die Massen zu. Es ist sozusagen der Gesetzgeber, der Planer in diesen ersten ungeheuer kleinen Bruchteilen von Mikrosekunden bei der Entstehung des Universums und wäre daher auch der beste Maßstab, messbarer Grundriss des Universums einschließlich unserer Welt. Andere Astrophysiker haben geglaubt in der kosmischen Hintergrundstrahlung ein derartiges grundlegendes Messinstrument zu haben, aber diese Strahlung entstand erst 380000 Jahre nach dem Urknall, ist also nicht so ein Ur-Eichgerät wie es das Higgs-Feld wäre. Und so ist es auch beim Unbewussten.

Das von Freud durch Verdrängung und Spaltung erzeugte Unbewusste hat sich nicht früh genug etabliert, um alle unsere unbewussten psychischen Phänomene zu verstehen. Die ZWEI, das „Strahlt" / „Spricht" - Modell gäbe hier ein früheres Messinstrument ab. Daher gelingt auch eine Therapie sogenannter Grund- oder struktureller Störungen nur mit einem Verfahren, das solche frühen Abspaltungen eines ursprünglich bereits Seelischen erreicht. In der Analytischen Psychokatharsis, die ich vielfach beschrieben habe, nehmen wir das Pulsieren des „Strahlt" in gesicherter Weise wahr, indem diese Übung im Gleichgewicht gehalten wird durch das ebenso eingeübte Wahrnehmen des „Spricht" zusätzlich einer Absicherung der beiden Grundphänomenen durch die übergeordneten Formel-Worte (siehe diesen Begriff erklärt in meinen Veröffentlichungen, aber auch im Internet).

Die Formel-Worte sind tatsächlich genau so knapp, präzise und überdeterminiert wie das Higgs-Feld und das früheste Unbewusste. Bei den Katholiken gab es folgendes Gebet: „Und sprich nur ein einiges Wort, so wird meine Seele gesund". Sprich nur eine Silbe, ein paar Buchstaben, aber solche, die es in sich haben, genau das ist mit den Formel-Worten und dem ganzen Ausflug in die Astrophysik bzw. Ökopsychoanalyse gemeint. Man muss keinen theologischen Bezug erstellen, man kann es auch aus der Sache selbst erschließen. Aus der veritas rerum, wie sie Nikolaus v. Kues nannte.

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Abb. 5

Rosette

Nebel

 

 

 

 

 

Eben weil wir uns nicht im Bereich der wirklichen Physik bewegen, sondern in einem Vorzustand wo Energie und Materie noch gar nicht existieren, ist der Vergleich der Astrophysik mit dem Unbewussten so gut möglich. Schwieriger wird es natürlich, wenn wir den Vergelich weiter denken wollen. Nachdem das Universum von seinem überheißen Zustand abgekühlt  war und Materie und Energie entstanden, müssten wir im Unbewussten einen analogen Vorgang zu benennen versuchen. Hier böte sich das an, was schon Freud den ES-Widerstand genannt hat. Im Gegensatz zu den in der heutigen und herkömmlichen Psychoanalyse, wo der Widerstand gegen die Aufdeckung des Unbewussten im Ich, in den Objektbeziehungen etc. (wie im Titel angeführt) gesehen wird, ist diese Freudsche Auffassung nicht nur authetischer, sondern auch realistischer. Es selbst schon, das Subjekt des Unbewussten (was ich auch die ZWEI genannt habe), trägt in sich seine eigene Hemmung, seine eigenen Widerstand. D. H. , ist erst einmal Materie und Energie entstanden - freilich alles nur analogisch zu sehen - hat sich also im Unbewussten das energetisch und materielle Symptom entwickelt, ist es nur schwer wieder los zu werden.

Man muss dann die Übungen der Analytischen Psychokatharsis sehr intensiv praktizieren oder eben zusätzlich noch in eine herkömmliche Psychoanalyse gehen (wenn man dies für notwendig erachtet) und ökopsychoanalytische Zugänge mit einbeziehen. Allein sich mit der hier vorgestellten Thematik der Zusammenhänge von Astrophysik und Psychoanalyse zu beschäftigen, ist schon ein Beispiel für diese Einbeziehung. Denn diese Beschäftigung wirft evtl. auch wieder Fragen zur Umwelt allgemein oder zur Astrologie auf. Natürlich spreche ich hier nicht für die Astrologie, aber ich argumentiere auch nicht völlig negativ gegen sie. Ich argumentiere ja auch nicht speziell in Richtung reiner astronomischer Forschung. Ich möchte den ökopsychoanalytischen Ansatz auch auf die Astrophysik und Astronomie ausdehnen und dadurch natürlich einen moderneren Logos für das auf die Sterne Bezogene darstellen. Die Astrologie fußt wie auch etwa die Homöopathie auf mythisch-mystischen Grundlagen, wobei beide das menschliche Subjekt ganz ins Zentrum stellen, wie es also auch die Psychoanalyse tut. Aber während meine Darstellungen alle modernen Wissenschaften mit einbeziehen, stellt sich die Astrologie heute nicht den doch ungeheuren neuen Erkenntnissen sowohl im neuropsychologischen wie auch im astrophysikalischen Bereich. Gelten doch die Kraft-Einflüsse wie bei der Homöopathie so auch in der Astrologie am meisten, je weiter sie verdünnt bzw. entfernt sind. Noch vor zwei Generationen gab es von den weit entfernten Kräften im Universum  kaum Vorstellungen, während wir heute nicht nur durch die Bilder des Hubble-Teleskops sondern auch anderen Forschungen ganz andere Kenntnisse haben, als nur die der Planetenbahnen und ihrer auf das mit dem Auge sichtbare Firmament begrenzten Berechnungen. Wir brauchen eine Astropsychoanalyse (die ich als einen Teil der Ökopsychoanalyse sehe), die sich mit all den Schönheiten, phantastischen Ausmaßen, Gesetzen der Sternentstehung, der Quantengravitation und ihren Zusammenhängen mit uns als Subjekten des Unbewussten beschäftigt. Das allein ersetzt selbstverständlich auch ein Stück direkter Therapie. Mit aus diesem Grunde habe ich hier in das Manuskript Bilder eingefügt, die für sich sprechen und das Ganze auch von der ästhetischen oder topologisch-geometrischen Seite her stützen.

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Abb. 6 Zum Schluss ein Op - Art - Bild sich bewegender Muster, um zu zeigen, wie unser Unbewusstes (hier mehr auf das neurologische Sehzentrum bezogen) das eigentlich  Unbewegliche in Bewegung versetzt (ein Teil der jouissance feminine?)

 

 

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