Psyche und Soma

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Analytische Psychokatharsis

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Die Analytische Psychokatharsis ist ein neues Verfahren der Psychotherapie. Ich habe es aus meinen fast 30 Jahre dauernden Erfahrungen aus den psychoanalytischen Therapien und Kenntnissen in meditativen Methoden heraus entwickelt. Der analytische Teil hat - wie eben schon der Name verrät - etwas mit den in der Psychoanalyse so wichtigen Einsichten in das eigene Unbewusste durch Deutungen, also Interpretationen von Phantasien, Gedanken, Träumen etc. zu tun. Nur kommt dieser Teil weitgehend anders als in der herkömmlichen Psychonalyse zustande. Ich werde dazu gleich Erläuterungen und vor allem praktische Beispiele bringen.

psyche

Der psychokathartische Teil ist einfacher zu verstehen. Katharsis heißt im Altgriechischen 'Reinigung', Abreaktion, Entkrampfung. Diese Katharsis ist Bestandteil wohl der meisten Methoden, die mit Meditation, Versenkung, Entspannung und Ähnlichem zu tun haben. In dem hier beschriebenen Verfahren wird sie aber insbesondere mit der analytischen Seite verbunden. Dadurch verstärken sich die Effekte gegenseitig. Außerdem ist das gesamte Verfahren wissenschaftlich aufgebaut und unterscheidet sich von daher grundlegend von anderen psychotherapeutischen Methoden.

Um die Erfahrung der Katharsis besser zu verstehen, kann man auf den psychoanalytischen Begriff des „zerstückelten Körpers" zurückgreifen. In seinen frühesten seelischen Erfahrungen erfährt sich das Kleinkind nicht sofort als ganzer Mensch, sondern kann für sich immer nur Teile seiner selbst realisieren. D. h. es erlebt sich als motorisch erfolgreich beim Greifen, Aufrichten und schließlich beim Gehen. Oder mehr sensorisch als mit einem „seelischen Objekt" ausgestattet, z. B. dem „Oralem" (etwas, was mit dem Gestilltwerden und der Mutterbrust zusammenhängt, vom Kind aber als Teil seiner selbst verinnerlicht ist). Das Kleinkind durchläuft also in Rahmen seiner Ich-Entwicklung eine Phase, wo es sich wie immer wieder wie zerstückelt erfährt, dann wieder mit Teilfähigkeiten ausgestattet, dann wieder unfertig, haltlos. Man könnte auch sagen: Es handelt sich um die Phase eines zerstückelten Wahrnehmens und ebenso bruchstückhaften Sich-Entäußerns. Erst mit etwa eineinhalb Jahren ist das Kind soweit die sogenannte" Spiegelphase" zu erreichen. Im Spiegel des großen Anderen (Mutter, Vater etc.) aber auch in einem realen Spiegel erfasst es sich als ebensolches ganzes menschliches Wesen wie die anderen, glaubt aber auch mehr zu können und zu sein, als es wirklich kann und ist. Man nennt dies einen primären Narzissmus, den der Mensch auch später noch in einer reifen Form der Selbstliebe behält. Dieses primäre Narzisstische nenne ich auch ein „Es Strahlt", weil es so ein kathartisches Empfinden mitbeinhaltet, das lebensnotwendig ist.

Dieses Phänomen kann also in der Übung der Anlaytischen Psychokatharsis erfahren werden. Hier allerdings meist viel bewusster, also oft mit einem bis in die Körperlichkeit hinein zu spürendem Strahlt, einem „Rieseln", Durchschaudern, Reinigen, befreiendem Empfinden oder auch einem Erhellen (wenn man die Übungen z. B. mit geschlossenen Augen macht). Gerade weil es sich um ein wie körperhaft erfahrenes Phänomen handelt, lässt sich am besten zeigen, dass hier etwas vom Körperbild nunmehr nicht als Zer-Stückelung, sondern diesmal eben in einer Zusammenfassung von Stückelungen, als „patch-work" sozusagen, als ein Ganzes seiner Unbewusstheit enthoben wird.

Das Strahlt ist nicht vorwiegend eine Art von „Lichtwahrnehmung", wie man dies früher in der Mystik und Religion oft so beschrieben hat. Es handelt sich eher um eine Erhellung, die mit einem "Durchrieseln" einhergeht, d. h. die einzelnen Stückelungen des Körperbildes werden hell oder spürbar, aber dieses Spüren mündet jetzt eben nicht in eine Zerstückelung, die Angst machen würde oder traumatisch sein könne. Nein, jetzt geraten die Stückelungen in einen eben bis in die Körperlichkeit hinein wahrnehmbaren Vorgang der Zusammenfassung, der Vereinigung, Zusammenschließung. Und eben dies erzeugt ein ganzheitliches „Durchschaudern", „Durchrieseln", Erhellen (alles gewiss etwas mythische Ausdrücke, die jeder etwas anders erfahren kann, die aber letztlich eben kathartisch sind, befreiend, reinigend, durch- und durchwirkend.

Das Ich war nur eine kleine, stets wackelige Ganzheit, in der die libidinösen und vor allem die aggressiven Strebungen nicht vollkommen genug aufgingen. In der Psychokatharsis gehen sie auf, wenn auch nur vorübergehend. Eine Konstanz des Strahlt kann aber gefunden werden, wenn die jetzt auch die Teile, Stückelungen des von mir oben gerade beschriebenen Entäußerns dazukommen und sich so eine Kombinatorik aufbauen lässt, die im Gleichgewicht bleibt. Was heißt dies?

Der analytische Teil der Entäußerung, der - wie ich erwähnte - etwas mit den Deutungen zu tun hat, wird von mir demzufolge und analog zu dem Es Strahlt ein ein Es Spricht genannt. Auch in der herkömmlichen Psychoanalyse kommen die Be-Deutungen nicht vom Analytiker  und seinen Interpretationen (zumindest nicht vorwiegend und allein von ihm), sondern aus den "freien Assoziationen" des Patienten. Manchmal hört dieser schon während er so frei und planlos vor sich hinspricht - oder gar wenn er sich verspricht - aus seinen eigenen Äußerungen gewisse Be-Deutungen heraus, so dass diese gar nicht mehr interpretiert werden müssen. Noch einfacher und auch meist eindrucksvoller komm dieser Effekt jedoch zustande, wenn man statt der sogenannten "schwebenden Aufmerksamkeit",mit der der Analytiker zuhören muss ein ähnliches Element setzt, dass ich dem französischen Psychoanalytiker Lacan folgend einen "linguistischen Kristall" nenne.

Vorbemerkung 1 : Eine solche Ersetzung des Analytikers ist legitim. Der Analytiker ist nicht ein Universitätslehrer, ein Wissender. Im Gegenteil, er muss mit einer - wenn auch konsequenten, so jedoch nur rein formalen - Unwissenheit agieren! Er ist nur ein "Objekt" dessen, was man "Übertragung" nennt (ein "Objekt", auf das der Patient alle möglichen Bedeutungen psychisch "überträgt").

Vorbemerkung 2 : Die "schwebende Aufmerksamkeit" ist ein schwer zu beschreibender Zustand. Der Analytiker soll  satt auf die sonst im zu wachen, gezielt auf bestimmte Äußerungen achtenenden Zuhören, gemachten Erkenntnisse,  lieber ein Gespür für die Unter- und Zwischentöne entwickeln. Er soll sozusagen wie in einer leichten Trance verweilen. Genau dies kann jedoch auch der Patient (und hier jetzt der Übende) benutzen, indem er eben einen "linguistischen Kristall" verwendet. Und was ist das jetzt?

Ich kann es hier nur kurz referieren. Unter der Rubrik >Literatur und Publikationen<  findet sich ein Artikel mit dem Namen "Die körperlich kranke Seele". Hier ist das ganze Verfahren noch ausführlicher dargestellt und begründet. Der "linguistische Kristall" ist eine knappe  - nur aus ca. neun Buchstaben bestehende - Formulierung ("Formel-Wort"), die in sich viele verschiedene Bedeutungen enthält. Und zwar je nachdem, von welchem Buchstaben aus man sie liest. Hier ein Beispiel der im Uhzeigersinn und im Kreis geschriebenen Buchstaben:


Und hier nur vier von insgesamt ca. zehn Bedeutungen:                                      A      R

A  RE  VIDEOR                     Ich werde von etwas gesehen                             R                 E

VIDEO  RARE                       Ich nehme ungewöhnlich wahr                            O                   V

DEO  RARE  VI                     Dem Gotte gelegentlich mit Kraft                             E            I

EO  RARE VID(E)                 Dorthin schau selten!                                                      D

 

Wiederholt man nun gedanklich dieses "Formel-Wort" wird man tatsächlich in eine Art "schwebender Aufmerksamkeit" versetzt, da man sich auf die einzelnen Bedeutungen gar nicht konzentrieren soll und auch wohl kaum kann (denn es ist kein einheitlicher, irgendwie logischer Sinn daraus zu machen). Der ganze Spuk der einzelnen Bedeutungen dient nur dem "linguistischen" Aufbau dieses - jetzt wohl berechtigterweise - Kristall zu nennenden Gebildes. Aber jetzt wird auch klat, wie das Ganze funktioniert: durch das gedankliche Wiederholen (und das hat man immer schon in kontemplativen Methoden getan) wird in dem Moment, wo die "schwebende Aufmerksamkeit" an ihren Trance-Punkt angekommen ist, eine knappe gedankliche oder wie stimmlich erfahrene Bedeuung aus dem Unbewussten frei werden (oder heraus gezwungen werden), und zwar insbesondere deswegen, weil ja die kathartische Übung mit dieser analyischen Übung verbunden wird bzw. ist. D. h. praktisch?

Ich kann die Praxis hier nur ganz kurz anführen und verweise auch hier auf die Broschüre der "körperl. kr. Seele"). In bequemer Haltung sitzend achtet man zuerst (am besten bei geschlossenen Augen) auf das Strahlt. Also auf etwas, das diesem oben beschriebenen Charakter zukommt. Schon dabei wiederholt man gedanklich das oder evtl. auch mehrere Formel-Wort(e). Nach einiger Zeit nimmt man als zweite Übung die Konzentration auf die Wahrnehmung des Spricht auf. Es geht jetzt natürlich nicht darum, jemanden sprechen zu hören. Vielmehr genügt ein einfaches Konzentrieren ob es etwas mehr von oben oder rechts (Linkshirnigkeit) im Kopf Verlautendes giibt. Zwischen den Buchstaben des Formel-Wortes drängt sich ein solches Verlauten, Tönen irgendwann durch, gedanklich, fast stimmlich, fast wie von fern gedacht oder vernommen. Anfangs muss es nicht sprachlich sein, soll aber auch nicht das heute so oft anzutreffende Tinnitusgeräusch sein. Notfalls muss man durch das Geräusch hindurch auf etwas Klangliches, Worthaftes achten.

 

 

 



 


 

 

 

 

 

 

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